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25. August 2008, 12:53 Uhr, wallace

Intimheit unter sich Abstossenden

Tramfahrt in Zürich. Es ist heiss und das öffentliche Verkehrsmittel ist wie zur Feierabendzeit zu erwarten mit Leuten verstopft. Ich steige mit einer übergrossen Kugel Pistache Eis ein und schaffe es an der Meute vorbei, diesmal ohne Drittpersonen zu bekleckern und ich nehme den letzten Sitzplatz für mich in Beschlag. Neben mir ein Herr mit Buch der mit seinen Augen scheinbar lesend, aber doch zwischendurch auf meine grüne Glace glotzend, von der Hitze geplagt vor sich hinschnaubt. Ich erwidere den Blick, er liest etwas verstohlen, ja gar zwanghaft unbeteiligt weiter. Vor mir eine Dame mit Kleid und dazupassenden Ohrringen, die Frisur farblich auf das ganze in Kastanienrot abgestimmt. Leider schwitzt sie sehr, was mir meine Nase sofort vermeldet, ab diesem Zeitpunkt schmeckt mir das Eis auch nicht mehr so richtig und ich würge den Rest relativ schnell runter und versuch dabei das Atmen vorübergehend einzustellen. Mein Magen zieht sich nun zusammen und ich spür das kalte Eis und das Vorhandensein meiner sämtlichen Verdauungsorgane. Ich versuch mich nun zu entspannen, was mir auch gut gelingt. Bis plötzlich das Buch meines Sitznachbarn auf den Boden knallt und er offenbar einschlafend Richtung Scheibe kippt, welche durch seine langen Atemzüge sofort beschlägt - und das bei dreissig Grad im Schatten. Die Dame vor mir nimmt auch Notiz davon und dreht sich kurz um, mustert mich und vor allem den Schlafgeräusche Machenden. Ich erkenne, dass auch die Schminke in kastanienroten Tönen gehalten ist, es folgt wiederum eine Duftwolke, zum Glück ist das Eis schon weg.

Der Herr neben mir beginnt nun richtig laut zu schnarchen. Das Konzert wird eröffnet mit einem hohen Pfeifton durch die Nase, schnell aber durch den Bass eines flatternden Kehllappens begleitet, auf einmal so laut, dass der Schlafende selber wieder erwacht, erschrickt und dabei fast zur Decke hochspickt. Wir schauen uns einen Moment erschrocken an, der Erwachte errötet und auch die Dame teilt nun das Blickfeld wieder mit uns. Und wir Drei fangen plötzlich schallend an zu lachen. Dabei verliert der Gestank seinen Ekel und die Distanz zum Sitznachbarn sich selber. Nach ein paar Sekunden inniger Intimheit entspannen sich unsere Gesichtsmuskeln wieder, wir wenden uns voneinander ab und steigen aus, denn es ist Endstation. Ich steige auch aus und stelle noch fest, dass ich meine Hose mit der grünen Rahmglace bekleckert habe.

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09. August 2004, 19:33 Uhr, wallace

Rückwärtsfahrer

Aus Zeitgründen verzichte ich auf den morgendlichen Kaffee aus meiner eigenen Maschine. Nur ein spartanisches Müsli mit herumschwimmenden Flocken Irgendetwas und ein Glas Wasser gönn ich mir - das ist schon mehr, als ich eigentlich zu dieser Tageszeit zu schlucken vermag.

Noch die Nestwärme spürend steh ich dann an der Bushaltestelle. Selbst dem Passivrauch vermag ich noch nicht auszuweichen, geschweige denn das dünne Zeitungsblättchen zu lesen, das in Uebermenge aufliegt.

Endlich - der Bus kommt! Wortlos werden die Stufen bestiegen, Kinderwagen, Hund und Zeitungsleser finden Platz im Fahrzeug, jeder in seiner Geschwindigkeit, jeder nach seinem Platzbedarf. Die Raucher meistens zuletzt, die zu konzentrierten Zeitungsleser manchmal gar nicht.

Die Tür ist zu, ich der Letzte in dieser sich noch einrichtenden Menschenmasse. Dann: Kein Sitzplatz! Welch ein Graul! Ich bin doch noch so müde, noch nicht aktiviert und meine Blutbahn läuft sowieso noch nicht auf Koffein!

Doch da ist er, der rückwärtige Sitz: Noch leer! Niemand will dort sitzen. Ist er vielleicht anders als die anderen Sitze? Verkehrt, vielleicht sogar weniger wert als die Stehplätze. Wird einem schlecht? Oder ist es einfach unnatürlich, sich rückwärts zu bewegen, im Leben wie im Bus. Freudig nutz ich dieses mir nicht erklärbare Phänomen aus, nimm Platz und seh den rückwärts an mir vobeiziehenden Menschen zu. Alles irgendwie verkehrt, ausser ich natürlich. Und das jeden Morgen.

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